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Max, der Zirkuskönig

Weitere Titel: Der Zirkuskönig (D)/ Le roi du cirque (F)/ Circusmania (UK, USA) - Arbeitstitel: Clown aus Liebe - Regie: Edouard Emile Violet - Szenario: Max Linder - Länge: 1750m - s/w - Interpreten: Max Linder {Max Graf von Pompadur}; Vilma Banky {Ketty}; Julius Szöreghi {Zirkusdirektor}; Eugen Burg; Ernst Günther; Viktor Franz - Drehzeit: bis 10.4.1924 - Produktion: Vita Film - Sondervorführung: 12.6.1924 (London/Scala) - UA: 12. September 1924 (Rotterdam/Cinema Royale) — Weitere Auff.: 16.9.24 (Berlin/Deulig Palast Alhambra); 26.9.24 (Wien/Imperial-Kino); 19.2.25 (Paris/Aubert-Palace)

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Ein junger, lebemännisch veranlagter Graf verliebt sich in die Tochter eines Zirkusdirektors. Da der Vater, stolz, wie die Zirkusdirektoren nun einmal zu sein pflegen, seine Tochter nur einem Artisten zur Frau geben will, so stürzt sich der junge Aristokrat beherzt in die Manege, versucht sich mit wechselndem Gelingen als Floh- wie als Löwenbändiger, bis er nach allerlei ergötzlichen Abenteuern schließlich zum Schwiegersohn des Zirkus-Napoleons avancieren darf. Das ist die Grundidee des Lustspiels, das Max Linder für die Vita in Wien gedreht hat. Dieser Max Linder, der gewissermaßen heute als historische Erscheinung zu werten ist, vermag noch immer zu belustigen. Ihn an Charlie Chaplin zu messen, mit dem er nur einige Aeußerlichkeiten gemein hat, wäre eine Ungerechtigkeit gegen beide Künstler. Was an Linder immer wieder fesselt, ist die Virtuosität, mit der er seinen Körper zum Instrument komischer Wirkungen zu machen vermag. Linder ist der direkte Nachfahre der französischen Pierrotdarsteller, eines Débureau und Genossen, deren Methoden er in den Film übertragen hat. Seine Komik ist, wie jede Komik überhaupt, Kritik an der Gestalt, die er zu verkörpern hat, ohne daß er aber jemals so weit geht, den Typ, den er darstellt zu verneinen. Seine Darstellungskunst wurzelt nicht wie die eines Chaplin in einem tiefen menschlichen Mitleid mit den Parias dieser Erde, auch nicht in einem Haß gegen die zu verkörpernde Gestalt, wie es manchmal bei unserem Pallenberg der Fall ist, auch nicht in einer ironischen Einstellung zum darzustellenden Objekt, wie bei Max Adalbert, sondern er hat seinen Spaß an der Lächerlichkeit der Figur, der sich höchstens manchmal zur milden Ironie steigert. Linder stellt in seinen Filmen einen harmlosen jungen Menschen hin, dem er allerlei Schnörkel ins Gesicht malt. Es ist im Grunde die Max- und Moritz-Figur, die er im bewegten Bilde erstehen läßt. Im übrigen ist der ganze Film eine recht sauber gearbeitete Bildplauderei, in der die Scherze von Max Linder die Pointen darstellen. Die Szenen, in der die Künstler des von Maxe erworbenen Flohzirkus den Weg ins Freie antreten und unter den Zuschauern eine Panik verursachen, sind mit dem Blick des Karikaturisten gesehen. Na, und Löwenszenen im Film sind noch nie ohne Wirkungskraft geblieben. Vilma Banky, Linders Partnerin, ist anmutig, was in diesem Falle genügt. Ob sie noch mehr zu sein vermag, war aus dieser Leistung nicht ersichtlich. Ausgezeichnet in der grotesk übersteigerten Gebärde der Zirkusdirektor des Julius Szöreghi. Vielleicht ist dieser Film berufen, eine Max-Linder-Renaissance in die Wege zu leiten. Hersteller: Vita Film A.G., Wien. Verleih: Deulig. M-s. (Film-Kurier, 17.9.1924)

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Shown privately in London at the Scala, "Circusmania" is an Anglo-Austrian production starring Max Linder, made by Granger-Vita and is without doubt one of the best comedies ever screened. Opening inauspiciously with the Continental idea that alcoholism is the alpha and omega of humor it soon becomes genuinely funny and runs at such a speed its length appears to be little more than the average two-reeler whereas it runs into the six reel category. The chief blot on the presentation, but one which had nothing to do with the picture, was the Scala orchestra. Good in itself this collection of musicians and their conductor let the picture down badly by ignoring anything so common as "big top" music and playing soft and subtle waltz refrains. Even when the old roll was required to help out a stunt acrobatic trick the drummer did his job as though ashamed of being concerned with a picture much less one dealing with such inferior things as tan, orange peel, and the odor of animals. Provincial and other exhibitors will, however, speedily rectify this. The circus scenes are very good, while all the other scenic work is admirable. The story tells how the Count Max de Pompadour, a drunken and worthless young fool, is offered marriage or disownment by his guardian. He has three choices of a bride and desires to marry the one whose photograph he hits first with a revolver bullet. He misses all three but frightens a pretty girl into a fainting fit. She makes an appointment to meet him at the Cirque Buffalo the following night. He goes with his uncle, looks in vain for her in the auditorium and eventually finds she is a trapeze artist. His ardor is increased but receives a severe shock when her burly father says she can only marry "in the profession." The girl gives him a book "How to Become an Acrobat." but his studies prove disastrous. He assays to become a flea-tamer with even more disastrous results and loses his troupe. His future father-in-law, however, provides him with lions. Things are awkward but a friendly clown agrees to see him through. His rival foils this attempt and things get worse but ultimately he wins the day and the girl. Max Linder makes a great comeback as de Pompadour. He never clowns and much of his business is delightfully original. Moreover he never shows a trace of vulgarity or suggestiveness once he has got over his opening drunken scenes and even into these he manages to get some novel work. No support is named but it is consistently good and his leading lady is not only a beautiful woman but a fine feeder. Feeding is the keynote of this picture but so skilfully is it done nobody not conversant with the art will realize Linder practically plays the thing himself with every other character merely forming part of a perfect frame. Gore. (Variety, 25.6.1924)

 

 

 

Anmerkung: Ursprünglich war René Hervil (1883-1940) als Regisseur vorgesehen. In einigen Quellen wird Max Linder als Co-Regisseur genannt. ― [Note: Initially René Hervil (1883-1940 was to direct the film. In some sources Max Linder is credited as co-director.]

Eine Kopie des Films wird verwahrt in: Cinemateket-Svenska Filminstitutet (Stockholm), Gosfilmofond of Russia (Moscow), Cinémathèque Royale (Bruxelles), Archives du Film du CNC (Bois d'Arcy), Filmoteca Espanola (Madrid)

 

 

 

 

 

Weitere Filmbeschreibungen/Kritiken:

 

Dem flotten Max wird von einem bärbeißigen Onkel die Auflage gemacht, eine von drei begüterten Jungfrauen zu heiraten. Max gibt scheinbar klein bei, schlägt aber wieder über die Stränge und verliebt sich in ein niedliches Artistentöchterchen. Seine Liebe bringt sogar das schwere Opfer, der Kleinen zuliebe Artist zu werden. Es steckt eine unglaubliche Fülle von Witz in dem netten Sechsakter. Besonders drollig ist, wie Max sich nach einem Leitfaden „Die Kunst in sechs Lektionen Artist zu werden“ abmüht und dabei den fabelhaftesten Durcheinander anrichtet. Besonders in ihren humoristischen Werten gehoben, sind diese artistischen Lernstunden, durch die komische Verzweiflung eines an Kopfweh leidenden Hotelgast’s, eine Treppe unterhalb Maxens Uebungsraum. Nachdem es mit der sechsstündigen Lektion nichts geworden, wird Max Direktor eines Flohzirkusses. Leichtsinnigerweise hat Max die leichtfüßigen Insassen, in einer Schachtel verpackt, in die Rocktasche gesteckt. Während einer Zirkusvorstellung entfliehen die hüpfenden Gäste und verursachen unter den Zirkusgästen eine förmliche Panik. Nachdem es mit dem Flohzirkus auch nichts ist, wirft sich Max auf die Tierdressur. Ein befreundeter Clown steckt sich Max zu Gefallen in ein Löwenfell und macht in diesem Zustande sehr artige Kunststückchen in der Manege. Aber auch hier hat Max Pech. Ein Rivale öffnet den Löwenzwinger und setzt an die Stelle des Pseudo-Löwen einen echten Wüstenkönig. Trotz all dieser Widrigkeiten erringt Max schließlich doch noch sein Artistentöchterlein. Die hübsche und saubere Aufmachung des Filmes wird wesentlich unterstützt durch eine flotte, nie versagende Regie, gute Wiener Darsteller – in den Hauptrollen Max Linder und Vilma Banky – eine vorzügliche Innenausstattung und einer qualitativ hochwertigen Photographie. Der unversiegliche Humor dieses Lustspiels aber wird jedes Publikum im Sturm erobern. J. Aubinger. (Süddeutsche Filmzeitung, 12.9.1924)